HAMMER LEXIKON
Wissenswertes über den Stadtteil Hamm
Der „Alte Hammer Friedhof“ ist eine denkmalgeschützte Friedhofsanlage im Hamburger Stadtteil Hamm. Er befindet sich auf der Ostseite der Hammer Dreifaltigkeitskirche. Friedhof und Kirche liegen oberhalb des Geesthangs mit weitem Blick nach Süden. Der Friedhof bestand ab 1693, 1894 wurde er für Bestattungen geschlossen. Auf ihm fanden zahlreiche bedeutende Hamburger des 18. und 19. Jahrhunderts ihre letzte Ruhe in teils repräsentativ gestalteten Grabmälern. Im Kriegswinter 1813/14 am Ende der französischen Besatzung Hamburgs suchten zahlreiche Bewohner des Vororts Hamm und seiner Umgebung Zuflucht auf dem Friedhof. Sie waren zuvor vom Militär Napoleons aus ihren Häusern vertrieben worden. Die obdachlos Gewordenen kampierten deshalb auf dem Friedhof, in den Begräbnisbauten, in Zelten, in Erdlöchern. Viele von ihnen starben an Kälte, Hunger und Krankheit. Sie wurden am südlichen Rand des Friedhofs in einem Massengrab beerdigt. Dessen genaue örtliche Lage - innerhalb oder außerhalb des Friedhofs - ist unsicher. An diese Toten erinnert ein Gedenkstein, der sich auf dem Gelände des Friedhofs befindet. Dort finden sich außerdem ein Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs und ein eisernes „Totenhaus“, das den Opfern der nationalsozialistischen Diktatur und des Bombenkriegs der „Operation Gomorrha“ 1943 gewidmet ist.
Autor: WZ
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Vertiefende Darstellungen zum „Alten Hammer Friedhof“ findet man auf den Seiten der deutschen Wikipedia [Link: https://de.wikipedia.org/wiki/Alter_Hammer_Friedhof] sowie beim Hamburger Denkmalverein [Link: https://denkmalverein.de/gefaehrdet/gefaehrdet/alter-hammer-friedhof-verfaellt].

Zum Bericht über das 30. Geburtstagstreffen anlässlich Arno Schmidts 112. Geburtstag
Arno Schmidts Geburtshaus im Rumpffsweg 27 wurde 1943 zerstört. Jährlich am 18.01. um 11 Uhr findet dort das Geburtstagstreffen in Gedenken an den Schriftsteller statt.
Skulptur von Paul Hamann im Hammer Park, 1924, verschwunden
Die Skulptur „Eva mit Schal“ (auch bekannt als „Frau mit Schal“) ist die verschwundene Schwester der „Frühlingsgöttin“. Sie stand einst im Heckengarten des Hammer Parkes.
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Skulptur von Paul Hamann, 1927, vorhanden
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Im Hammer Park wartet ein Rätsel auf seine Auflösung. Wenn man von der Caspar-Voght-Straße über die kurze Allee in den Park kommt, an der Minigolf-Anlage und am Heckengarten vorbei in Richtung Sportplatz geht, begegnet man linkerhand der lebensgroßen Skulptur einer Frau. Sie hat viele Namen: „Stehende“, „Jungfrau“ oder „Donna Klara“. Seit 1927 steht sie dort. Die Lokalpresse meldete schon kurz darauf, dass die Figur bei den Nachbarn des Parks sehr beliebt ist und von ihnen den Namen „Frühlingsgöttin“ erhalten hat. Der Hamburger Bildhauer Paul Hamann (1891–1973) hat sie aus einem Block Muschelkalk geschaffen. Sie wurde genau dort aufgestellt, wo sie heute noch steht. Wer im Stadtteil wohnt und den Park besucht, kennt sie. Aber kaum jemand weiß, dass die Figur eine Schwester hat.
Diese Schwester stand im Heckengarten. Es war ein etwa lebensgroßer steinerner Frauenakt mit erhobenem linkem Arm und einem Tuch in der herabhängenden rechten Hand. Eine Fotografie dieser Skulptur wurde 1929 in einer Fachzeitschrift für Gartenbau veröffentlicht. Nach Berichten von Zeitzeugen soll sie noch zu Beginn der 1930er Jahre dort gestanden haben, aber danach fehlt von ihr jede Spur – kein Bild, keine Aufzeichnungen, keine Erinnerung, nichts. Ein Kunstwerk im öffentlichen Raum, für alle sichtbar, aus Stein, ein lebensgroßes Schwergewicht, verschwindet nicht so einfach. Was ist passiert?
Es ist möglich, dass sie nach 1933 aus kulturpolitischen Gründen entfernt wurde. So, wie man es z. B. mit dem Denkmal für Heinrich Heine im Stadtpark gemacht hat. Die bekannte Heine-Skulptur war aus Metall; im August 1933 wurde sie demontiert und zunächst in das Depot der Kunsthalle verbracht. Ein paar Jahre später hat man sie für die Waffenproduktion eingeschmolzen. Die Nazis waren an der Macht und hatten eine ziemlich schwammige Vorstellung von Kultur, aber es war schnell klar, dass die Werke jüdischer oder politisch abweichender Künstler und die moderne Kunst nicht mehr ins Bild passten. Und was nicht passte, wurde verfemt, abgeräumt, eingelagert, zerstört oder ins Ausland verkauft.
Auch Paul Hamann passte nicht. Seine Werke waren expressionistisch beeinflusst und dieser Stil vertrug sich nicht mit dem idealisierten Bild vom Menschen, das durch die Kulturpolitik der Nazis propagiert wurde. Zudem hatten er und seine Frau Hilde Hamann, ebenfalls bildende Künstlerin, jüdische Wurzeln. Ahnend, was da kommen wird, gingen die beiden rechtzeitig ins Exil. Die Werke blieben zurück und konnten vor fremden Zugriff nicht mehr geschützt werden. Fast alle Arbeiten, die Hamann vor 1933 schuf, sind verschollen. Eine stand im Garten der Familie Robinsohn in Winterhude, eine kaufte der Architekt Fritz Höger (Chile-Haus) für den Garten seines Anwesens in Langenhorn, und auch andere Hamburger sollen Skulpturen von Hamann besessen haben. Die Stadt Hamburg erwarb für den Hammer Park die „Frühlingsgöttin“ und eben jene verschwundene Schwester im Heckengarten.
Merkwürdig ist, dass diese Schwester verschwand, während die „Frühlingsgöttin“ unberührt blieb. War die „Frühlingsgöttin“ durch ihre Beliebtheit geschützt? Wurde sie schlicht vergessen oder übersehen? Haben verantwortungsbewusste Arbeiter des Gartenbauamtes in Hamburg-Hamm ihre Zerstörung verhindert? Vermutet wird auch, dass sie in jenen Jahren angeblich von einem großen Rhododendronbusch umwuchert war, der sie dem direkten Blick entzog. Man weiss es nicht. Klar ist nur, dass die Schwester der „Frühlingsgöttin“ nicht mehr da ist.
Soweit es bekannt ist, hat man offiziell nach dem Ende der Nazi-Herrschaft nicht nach dem Verbleib der Schwester gefahndet. Es könnte sein, dass sie zerstört wurde und die Trümmer irgendwo im Park verstreut liegen, vielleicht wurde sie eingelagert und vergessen, vielleicht wurde sie verkauft und steht heute an einem unbekannten Ort. Die Schwester der „Frühlingsgöttin“ bleibt ein Rätsel, ein lösbares Rätsel, denn nichts verschwindet, ohne Spuren zu hinterlassen. Man muss diese Spuren nur suchen und finden.
Autor*in: OW
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