HAMMER LEXIKON

Wissenswertes über den Stadtteil Hamm

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A
Alter Hammer Friedhof

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Am Horner Weg 9, gleich hinter der modernen Dreifaltigkeitskirche, liegt der Alte Friedhof von Hamm. Er ist der letzte Zeuge einer Zeit, als Hamm der bevorzugte Villenstandort der Hamburger Kaufleute war. 1693 ließen sie auf eigene Kosten die alte Fachwerkkirche und den umgebenden Friedhof errichten. Dieser blieb mehr als 200 Jahre in Gebrauch. Dann läutete die Einrichtung des städtischen Zentralfriedhofs in Ohlsdorf das Ende der lokalen kirchlichen Begräbnisplätze ein. 1899 wurde der Hammer Kirchhof geschlossen. Für die Inhaber von Familiengräbern galt jedoch eine zehnjährige Übergangsfrist. Der letzte gesicherte Leichnam fand hier 1908 sein Grab.

Aufgrund seiner geschichtlichen und künstlerischen Bedeutung steht der Hammer Friedhof seit 1923 unter Denkmalschutz. Das sicherte seinen Erhalt bis zu jener schicksalhaften Nacht vom 27. auf den 28. Juli 1943: Durch die alliierten Luftangriffe wurden große Teile Hamms, darunter auch die alte Kirche und Teile des Friedhofs zerstört. Weitere Grabstellen mussten 1956/57 dem Neubau der Dreifaltigkeitskirche weichen.

Besucher:innen finden die Grabstellen bedeutender Personen vor, die das kulturelle, soziale und politische Leben der Hansestadt entscheidend prägten. Erhalten sind allein 15 Grabmonumente, die noch aus dem 18. Jahrhundert stammen. Ihre kalligraphischen Inschriften sind sehens- und unbedingt erhaltenswert. Allerdings stuft der Denkmalverein Hamburg den Hammer Friedhof als gefährdet ein. Das Stadtteilarchiv Hamm bietet regelmäßig Rundgänge über den historischen Begräbnisort an.


Autor: Winfried Prehn

Weitere Hinweise zur Autor*innenschaft und Bildrechten: siehe Impressum

Ergänzende Links:

100 Jahre Denkmalschutz  - Der Alte Friedhof in Hamburg Hamm, https://hh-hamm.de/projekte/

sowie

https://geschichtswerkstaetten-hamburg.de/wp-content/uploads/2023/03/Hamm_100-Jahre-Denkmalschutz.pdf

https://www.denkmalverein.de/gefaehrdet/gefaehrdet/alter-hammer-friedhof-verfaellt

Arno Schmidts Geburtshaus

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Zum Bericht über das 30. Geburtstagstreffen anlässlich Arno Schmidts 112. Geburtstag


Arno Schmidts Geburtshaus im Rumpffsweg 27 wurde 1943 zerstört. Jährlich am 18.01. um 11 Uhr findet dort das Geburtstagstreffen in Gedenken an den Schriftsteller statt.

E
Eva mit Schal

Skulptur von Paul Hamann im Hammer Park, 1924, verschwunden

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Die Skulptur „Eva mit Schal“ (auch bekannt als „Frau mit Schal“) ist die verschwundene Schwester der „Frühlingsgöttin“. Sie stand einst im Heckengarten des Hammer Parkes.


Hinweise zur Autor*innenschaft und Bildrechten: siehe Impressum

Skulptur "Frau mit Schal" von Paul Hamann

F
Frühlingsgöttin

Skulptur von Paul Hamann, 1927, vorhanden

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Im Hammer Park wartet ein Rätsel auf seine Auflösung. Wenn man von der Caspar-Voght-Straße über die kurze Allee in den Park kommt, an der Minigolf-Anlage und am Heckengarten vorbei in Richtung Sportplatz geht, begegnet man linkerhand der lebensgroßen Skulptur einer Frau. Sie hat viele Namen: „Stehende“, „Jungfrau“ oder „Donna Klara“. Seit 1927 steht sie dort. Die Lokalpresse meldete schon kurz darauf, dass die Figur bei den Nachbarn des Parks sehr beliebt ist und von ihnen den Namen „Frühlingsgöttin“ erhalten hat. Der Hamburger Bildhauer Paul Hamann (1891–1973) hat sie aus einem Block Muschelkalk geschaffen. Sie wurde genau dort aufgestellt, wo sie heute noch steht. Wer im Stadtteil wohnt und den Park besucht, kennt sie. Aber kaum jemand weiß, dass die Figur eine Schwester hat.

Diese Schwester stand im Heckengarten. Es war ein etwa lebensgroßer steinerner Frauenakt mit erhobenem linkem Arm und einem Tuch in der herabhängenden rechten Hand. Eine Fotografie dieser Skulptur wurde 1929 in einer Fachzeitschrift für Gartenbau veröffentlicht. Nach Berichten von Zeitzeugen soll sie noch zu Beginn der 1930er Jahre dort gestanden haben, aber danach fehlt von ihr jede Spur – kein Bild, keine Aufzeichnungen, keine Erinnerung, nichts. Ein Kunstwerk im öffentlichen Raum, für alle sichtbar, aus Stein, ein lebensgroßes Schwergewicht, verschwindet nicht so einfach. Was ist passiert?

Es ist möglich, dass sie nach 1933 aus kulturpolitischen Gründen entfernt wurde. So, wie man es z. B. mit dem Denkmal für Heinrich Heine im Stadtpark gemacht hat. Die bekannte Heine-Skulptur war aus Metall; im August 1933 wurde sie demontiert und zunächst in das Depot der Kunsthalle verbracht. Ein paar Jahre später hat man sie für die Waffenproduktion eingeschmolzen. Die Nazis waren an der Macht und hatten eine ziemlich schwammige Vorstellung von Kultur, aber es war schnell klar, dass die Werke jüdischer oder politisch abweichender Künstler und die moderne Kunst nicht mehr ins Bild passten. Und was nicht passte, wurde verfemt, abgeräumt, eingelagert, zerstört oder ins Ausland verkauft.

Auch Paul Hamann passte nicht. Seine Werke waren expressionistisch beeinflusst und dieser Stil vertrug sich nicht mit dem idealisierten Bild vom Menschen, das durch die Kulturpolitik der Nazis propagiert wurde. Zudem hatten er und seine Frau Hilde Hamann, ebenfalls bildende Künstlerin, jüdische Wurzeln. Ahnend, was da kommen wird, gingen die beiden rechtzeitig ins Exil. Die Werke blieben zurück und konnten vor fremden Zugriff nicht mehr geschützt werden. Fast alle Arbeiten, die Hamann vor 1933 schuf, sind verschollen. Eine stand im Garten der Familie Robinsohn in Winterhude, eine kaufte der Architekt Fritz Höger (Chile-Haus) für den Garten seines Anwesens in Langenhorn, und auch andere Hamburger sollen Skulpturen von Hamann besessen haben. Die Stadt Hamburg erwarb für den Hammer Park die „Frühlingsgöttin“ und eben jene verschwundene Schwester im Heckengarten.

Merkwürdig ist, dass diese Schwester verschwand, während die „Frühlingsgöttin“ unberührt blieb. War die „Frühlingsgöttin“ durch ihre Beliebtheit geschützt? Wurde sie schlicht vergessen oder übersehen? Haben verantwortungsbewusste Arbeiter des Gartenbauamtes in Hamburg-Hamm ihre Zerstörung verhindert? Vermutet wird auch, dass sie in jenen Jahren angeblich von einem großen Rhododendronbusch umwuchert war, der sie dem direkten Blick entzog. Man weiss es nicht. Klar ist nur, dass die Schwester der „Frühlingsgöttin“ nicht mehr da ist.

Soweit es bekannt ist, hat man offiziell nach dem Ende der Nazi-Herrschaft nicht nach dem Verbleib der Schwester gefahndet. Es könnte sein, dass sie zerstört wurde und die Trümmer irgendwo im Park verstreut liegen, vielleicht wurde sie eingelagert und vergessen, vielleicht wurde sie verkauft und steht heute an einem unbekannten Ort. Die Schwester der „Frühlingsgöttin“ bleibt ein Rätsel, ein lösbares Rätsel, denn nichts verschwindet, ohne Spuren zu hinterlassen. Man muss diese Spuren nur suchen und finden.


Autor*in: OW

Weitere Hinweise zur Autor*innenschaft und Bildrechten: siehe Impressum

M
Mahnmale auf dem „Alten Hammer Friedhof“

Bild: „Totenhaus“ für die Opfer von Nationalsozialismus und Bombenkrieg, 2007, Künstler: Ulrich Lindow, vorhanden

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Der „Alte Hammer Friedhof“ ist eine ehemalige Friedhofsanlage im Hamburger Stadtteil Hamm. Er liegt auf der Ostseite der Hammer Dreifaltigkeitskirche oberhalb der Geestkante mit weitem Blick nach Süden. Seit 2007 befindet sich auf ihm ein eisernes „Totenhaus“ als Mahnmal. Es ist den Opfern der nationalsozialistischen Diktatur und des Bombenkriegs der „Operation Gomorrha“ des Jahres 1943 gewidmet (siehe Bild, Foto von 2026). Auf dem Gelände befindet sich zudem ein Gedenkstein. Er erinnert an die örtlichen zivilen Opfer des Kriegswinters 1813/14. Sie wurden in einem Massengrab anonym beerdigt. Die örtliche Lage des Grabs ist heute vergessen. Schließlich steht auf dem Gelände noch ein Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs.


Text & Foto: Wolfgang Zimmermann

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Vertiefende Darstellungen zum Thema des Artikels findet man hier:

Zum „Hammer Totenhaus“ (Link: https://gedenkstaetten-in-hamburg.de/gedenkstaetten/zeige/hammer-totenhaus-mahnmal-fuer-den-frieden, Link: https://sh-kunst.de/ulrich-lindow-hammer-totenhaus/, Link: https://sh-kunst.de/kuenstler/lindow-ulrich/)

Zum „Alten Hammer Friedhof“ (Link: https:/de.wikipedia.org/wiki/Alter_Hammer_Friedhof) und zur „Operation Gomorrha“ (Link: https://de.wikipedia.org/wiki/Operation_Gomorrha).

Zu Bildrechten: Siehe Impressum (Link: https://hh-hamm.de/impressum-2/)